Woche 4

Die vierte Woche... Tage (quasi) ohne Bilder und Tage mit vielen wilden Tieren.
Man sieht an den vielen Verzweiflungs-Selfies, wie wenig ich mit der Kamera unterwegs war, oder besser gesagt: Wie wenig ich Zeit und Kopf frei hatte, um zu fotografieren.

Die vierte Woche beginnt am 22. Januar in Form eines ausgesprochen wuseligen Samstags. Melanies kleine Geburtstagsparty musste vorbereitet werden, auf diesem Foto kocht ein veganes Chilli für den nächsten Tag im Hintergrund. Außerdem wollte meine ältere Tochter nicht nur zum Kindergeburtstag einer Freundin gebracht (und später wieder abgeholt) werden, sondern musste auch noch zu ihrer Oma kutschiert werden, wo sie die Nacht verbrachte, um mit ihr zusammen am nächsten Tag zur kleinen Familienfeier zu kommen.
Kurz gesagt: Viel zu tun, wenig Fotos!

Ungewohnt farbenfroh präsentiert sich mein Foto des Tages für den 23. Januar. Der Tag des Geburtstags-Brunchs war gekommen. Dementsprechend sah der gläserne Tisch nur in den ersten Stunden des Tages so leer aus, denn kurz später fanden sich bereits die ersten Teller und Kaffeetassen darauf wieder.
Um 11 Uhr war der engste Teil der Verwandschaft zum Brunch geladen. Umso frustierender war der Start in den Tag bei der Feststellung: Der Brötchenteig war nicht gegangen und unbenutzbar. Also lief ich mich erstmal auf dem Weg zum Bäcker warm, wo mir die - wie immer für einen kessen Spruch aufgelegte - Backwarenverkäuferin "ganz spontan" 25 Brötchen verkaufte. Aus dieser Perspektive ein dreifaches Hoch auf den Einzelhandel!
Danach begann ein infernales Schaufeln von Leckereien aller Art. Die gemütlichen Familienplaudereien und literweise Kaffee inklusive.
Als am Sonntag Abend die letzten Gäste die Wohnung verließen, war nur noch Energie für die Couch übrig. Und das Resümee: Schön war's gewesen!

Immer dann, wenn ich sonst an einem Tag fotografisch zu quasi nichts gekommen bin, ist der letzte Ausweg ein Selfie. Natürlich ist deswegen nicht jedes Selfie eine Verzweiflungstat, aber fast jedes verzweifelte Foto ist ein Selbstportrait. In dem Fall aber vielleicht eines, das zum Tag passt: Autofahren und Augenringe.
Seit Montag, dem 24.01., habe ich einen neuen Job:
Ich leite an einer Gesamtschule in Köln Chorweiler die Ensemble AGs der Klasse 5 und 6. So ein neuer Job ist ja immer eine aufregende Situation. Vor allem, weil ich (abgesehen von ein paar Mails, die ich mit dem Lehrer, den ich bis zum Sommer vertrete) relativ unvorbereitet ins kalte Wasser springen musste. Der Start war aber trotzdem sehr gut und endete damit, dass ich zufällig einem alten Bekannten über den Weg lief. So geht's doch!

Dienstag ist Musikschultag
Nachdem ich schon meinen - eigentlich für den Unterricht obligatorischen - Computer zu Hause vergessen hatte, vertrieb ich mir meine Pause in der Musikschule dieses Mal mit der Kamera. An die hatte ich dann doch noch gedacht.
Am 25.01. stürzte ich mich damit mal etwas mehr auf die Details des schönen Wendl & Lung Flügels, der den Raum ziert, in dem ich meine Dienstage seit einigen Jahren verbringe und mit dem ich schon viel Spaß hatte. In dem Zusammenhang fiel mir auf, dass ich diesen Flügel jetzt schon seit über 10 Jahren wöchentlich zum Unterrichten treffe. Ich muss über mich selber schmunzeln, wenn ich das schreibe, aber es muss sein:
"Wahnsinn, wie die Zeit verfliegt!"
Mit Blick auf meinen aktuellen Schülerstamm muss ich aber auch zugeben, dass es mir nicht schwer fällt, die nächsten Jahre so weiter zu machen. Ein bunter Mix aus Anfängern und Profis, Kindern und Erwachsenen, Klassikern, Jazzern und Poppern macht einfach Spaß.

Videotutorials aufnehmen ist ein ordentliches Stück Arbeit. Für meinen Youtube Kanal "Michael Dahmen Music" habe ich das schon ein paar Mal gemacht.
Diesen Mittwoch, also am 26.01., war aber kein musikalisches Thema gefragt. Für das Community Projekt mit Falk hatte ich mir vorgenommen, den Webseiten-Baukasten von Adobe kurz vorzustellen und dessen Funktionsumfang in einem On-Screen-Video zu zeigen. Die kleine Sony α7c auf dem Bild hier war dabei nur für meinen Kopf zuständig, der am Ende nur klein in der Bildecke zu sehen war. Das war ein typischer Fall von Kanonen und Spatzen. Aber es macht ja trotzdem immer Spaß, mit vernünftigem Equipment zu arbeiten. 
Abgesehen von diesem Unterfangen wartete auf mich nur der übliche Bürokram und ein Privatschüler. Umso erstaunlicher, dass ich nicht viel mehr Bilder als dieses vorzuweisen habe. Auf der anderen Seite ist es dennoch eine ganz passende Zusammenfassung für diesen Tag, diese Video-Projekte dauern ja immer viel länger, als man sich das vorher so vorstellt!

Zum 27. Januar weiß ich so recht gar nichts zu schreiben. 
Es war einer dieser Tage, an denen ich parallel an zu vielen Baustellen gebastelt habe und am Ende für jede Baustelle dieses kleine Stück zu wenig Zeit hatte. 

Was am Ende bleibt? Ein weiteres Selfie der Verzweiflung! Und keine richtige Idee, was ich zu diesem Tag weiter sagen könnte. Ich versuche aber, aus dieser Erfahrung mitzunehmen, dass ich mich mal mehr in der Wohnung auf Motivsuche machen könnte. Das würde solchen Tagen vielleicht spannendere Tagesfotos entlocken.

Und dann kam der Freitag, der dieser etwas verqueren (Projekt-)Woche ein würdevolles Ende bereiten sollte: 
Nachdem die beiden Kids in der Kita und bei der Tagesmutter abgesetzt waren, gab es ein kleines Frühstück. Dabei fiel schon auf, dass die Sonne viel ausdauernder schien, als an den Tagen zuvor. Und da meine Frau bei uns zu Hause eine Bastelverabredung eingegangen war, ergriff ich kurzerhand die "Flucht", spannte das Tele auf die Kamera und drehte eine knapp drei Stunden lange Runde durch den Wald. Solche Runden genieße ich immer sehr. Einerseits zwingt einen die Ruhe des Waldes fast zwangsläufig dazu, ebenfalls ruhig zu werden. Andererseits löst die Situation in mir ein großes Maß an Aufmerksamkeit aus, denn ich will ja ein paar nicht-menschliche Lebewesen auf dem Weg entdecken und idealerweise auch ablichten. Ich war mit meiner Runde schon relativ spät dran, die Singvögel waren größtenteils schon in Mittagspause. Ein paar vereinzelte Tiere zeigten sich aber doch. Unter anderem dieses niedliche Rotkehlchen, das in alter Rotkehlen-Art neugierig spinksend auf einem Ast vor mir saß. Stück für Stück schlich ich mich näher heran und drückte dabei ein paar Mal auf den Auslöser. Gott sei Danke war das Model sehr geduldig mit mir. Danke, liebes Rotkehlchen!

Ich habe langsam das Gefühl, jede Woche mit der Erkenntnis zu beenden, dass ich mir mehr bewusste Zeit für das Fotografieren nehmen will. Vielleicht sollte ich dieser Erkenntnis mal etwas konsequenter nachgehen, damit ein ähnlicher Satz nicht auch die nächste Woche beendet.
Da ich diesen Beitrag hier erst am Sonntag (30.01.) schreibe, weiß ich aber jetzt schon, dass zumindest dieses Wochenende schon deutlich besser gelaufen ist. Vielleicht gibt es ja doch noch Hoffnung!