Woche 2 - An die Arbeit

Das Résumé aus der letzten Woche war durchwachsen. Einerseits habe ich eine gewisse Konzeptlosigkeit bei mir bemerkt, die in mir den Wunsch nach einem etwas dickeren roten Faden in diesem Projekt geweckt hat. Andererseits hat mir der Start trotzdem sehr viel Spaß bereitet und das Gefühl, auf der Suche nach dem Foto des Tages durch den Alltag zu laufen, hat mir von Anfang an gut getan. Wie geht es diese Woche wohl weiter?

Die zweite Woche startete mit einem wichtigen Ereignis, das allerdings - rein fotografisch - hier total untergeht. Aber von vorne:
Die erste private Klavierschülerin im neuen Jahr hatte ihren Termin bei mir am 08. Januar. Und das bereits am Vormittag. Das bedeutete für mich zuerst mal, dass ich meinen für Videozwecke völlig zugestellten Musikraum wieder unterrichtstauglich herrichten musste.
Danach folgte neben einem Familien-Spaziergang durch den Wald ein Computer-Marathon, um die neue Webseite von Fotografie tut gut releasen zu können. Bis spät abends bastelten wir an den vielen kleinen Stellschrauben herum, bis wir endlich zufrieden waren.

Für den 09. Januar erlaube ich mir eine kleine Auswahl an Fotos, da diese eines der faszinierenden Erlebnisse des Tages am besten zeigt.

Der Tag fing schon verheißungsvoll an: Am Morgen ging die oben erwähnte neue Seite von Fotografie tut gut online, an der Falk und ich so lange und intensiv gearbeitet hatten. Gleichzeitig ging auch die neue Podcastfolge online, in der ich das erste Mal überhaupt in einem Podcast mitwirken durfte. Ein tolles Gefühl von Neubeginn.
Da ich an diesem Tag die alleinige Aufsicht über meine Kinder hatte, schnappte ich mir die beiden Mädels und fuhr mit ihnen zu meinen Eltern. Deren Garten endet direkt am Wald und die Fütterung an und auf der Terrasse ist allen Vögeln, Eichhörnchen und Mäusen in der Umgebung gut bekannt.
Mit dieser Tatsache im Hinterkopf hatte ich vorsichtshalber mein Tele eingepackt und sollte für diese Entscheidung belohnt werden.
Neben den üblichen Verdächtigen, die sonst immer dort zu sehen sind (Kohl- und Blaumeisen, Rotkehlchen, Amseln, Eichelhäher, Buntspechte, Heckenbraunellen), tummelten sich an diesem Tag auch eine Horde Schwanzmeisen und Stare an der Knödelspirale und sogar ein Mäusebussard saß zur Dämmerung in der Spitze einer Zypresse im Garten. Das Licht war an diesem Tag schwierig, die Wolkendecke war dicht und die Sonnenstrahlen hatten ihre Mühe, bis zum Boden durchzudringen. Trotzdem werden mich diese Fotos wohl daran erinnern, wie ich an diesem Tag mehrfach fassungslos aus der Balkontüre guckte, weil ich nicht glauben konnte, wer dahinter alles zugegen war. 

Montag. Der 10. Januar.
Die Woche begann mit einem Tag, an dem die To-Do-Liste kaum länger sein konnte. Doch können manchmal die kleinen, unscheinbaren Punkte im Tagesplan die großen, vordergründig wichtigen Punkte ziemlich zum Wackeln bringen.
Vormittags stand die Impfung einer meiner Töchter an. Grundsätzlich sind diese Termine für sich gesehen keine große Sache. 15 entspannte Gehminuten zum Kinderarzt, etwas warten, PIEKS, ein Weckchen (die Düsseldorfer sagen "Mürbchen"... suspekt!) zum Trost für die kleine besorgen und wieder 15 entspannte Gehminuten zurück.
Was das aber zur Folge hat: Ein Kind ist zu Hause. Dieses Kind fordert nicht nur im alltäglichen maß Aufmerksamkeit ein, denn es fühlt sich nach der Impfung nicht so gut. Und wenn dann die andere Tochter noch völlig aufgedreht aus der Kita kommt, ist jede Hoffnung auf konzentriertes Arbeiten dahin.
Also schnappten wir uns die beiden aufgedrehten Mädels und gingen zum Waldspielplatz. Der Name ist da Programm, er liegt etwa 15 Minuten zu Fuß von hier im Wald. Kurz vor Sonnenaufgang saßen die Mädels also einträchtig im Sand und spielten friedlich. Diesen Moment der Ruhe fand ich durch Blick auf die untergehende Sonne hinter der Kette des Klettergerüsts perfekt illustriert.

Dienstag - Musikschultag
Am 11. Januar fanden die Weihnachtsferien fühlbar und endgültig ihr Ende: Der erste Musikschultag des Jahres stand an. Jede Woche unterrichte ich dienstags (im Moment) 12 Schüler an der MusicBox Köln. Inklusive der Hin- und Rückfahrt kann ich guten Gewissens behaupten, dass der Dienstag quasi gänzlich unter dieser Unterrichtsflagge segelt. Das ist einerseits schön, weil man beim Instrumentalunterricht hauptsächlich motivierte Schüler vorfindet, mit denen man seine Leidenschaft teilen und ihnen beim Entwickeln ihrer Fähigkeit helfen kann. Auf der anderen Seite ist so ein Tag mit vielen Schülern auch anstrengend, weil es viel Energie kostet, jedem Schüler seine volle Präsenz und Aufmerksamkeit zu widmen. Auf diesem Bild wartet der tapfere Musikschulflügel noch auf seinen ersten Schüler.

Mittwoch ist normalerweise ein relativ entspannter Tag. Am 12. Januar hingegen fing der Tag schon ungewöhnlich an: Am späten Dienstag Abend kam eine Nachricht vom Kindergarten, dass in zwei von fünf Gruppen positive Fälle von Corona nachgewiesen wurden. Da in diesen Gruppen auch die Kinder einiger Erzieherinnen aus anderen Gruppen betreut werden, wurden auch zwei weitere, eigentlich negativ getestete Gruppen geschlossen. 
So kam es also, dass der Anfang des Tages daraus bestand, meine dreieinhalb Jährige bei Laune zu halten. Dazu gingen wir auf den Spielplatz im Wald, auch wenn es schon vormittags sehr kalt war. Und auch wenn ich die Kamera dabei hatte, machte ich kein einziges Foto. Mir war kalt und ich fühlte mich gestresst von dem wieder spontan völlig aus dem Plan gelaufenen Tages. 
Nachmittags warteten wieder einige meiner Privatschüler darauf, von mir ein paar Tricks und Kniffe am Klavier oder in der Gehörbildung zu erfahren. Als der letzte Schüler (ich hatte ihn online unterrichtet) das Skype-Telefonat beendete, waren meine drei Mädels noch beim Kinderturnen.
Diese Chance ließ ich mir nicht entgehen, schnappte mir Mütze, warme Jacke, Handschuhe und eine Kamera und lief noch eine Runde um den Block. Die Ruhe auf dieser Bank war eine kurze aber effektive Erholung nach diesem wuseligen Tag.

Homeoffice ist spätestens seit Anfang 2020 ein allgegenwärtiges Thema. Als freiberuflicher Musiker kenne ich ja kaum was anderes. Auch wenn das letzte, was mir vor dem Klavier sitzend einfällt, das Wort "Homeoffice" ist. Aber auch die Zeit vor dem Recher gibt es und dann weiß ich zumindest, was gemeint ist. Das hat durchaus seine Vorzüge: Keine Anfahrt, die eigene Kaffeemaschine im direkten Zugriff, Jogginghose und Socken, MIttagspause in der Badewanne.
Die Nachteile habe ich am 13. Januar gespürt:
Viel zu tun haben bedeutet dann schnell, die eigenen vier Wände nicht zu verlassen und sich trotz aller Freiheit eingesperrt zu fühlen. Und das durch sich selbst. Immerhin ist mein typischer Computer-Arbeitsplatz aber am Esstisch vor der großen, gläsernen Balkontür. Und dort bekomme ich regelmäßig "Besuch", denn diverse Fütterungen für Vögel sind dort aufgebaut. Und so konnte ich aus dem über unseren Innenhof schweifenden Blick dieser gemütlich gelaunten Ringeltaube einen Moment "Freiheit" für mich gewinnen.

"A foggy day"
Die Idee für diesen Song hat Gershwin vermutlich genau an so einem Tag gehabt. Grau, dunkel, neblig. Und trotzdem war es ein guter Tag. Wenn auch - wie gestern - wieder ausgesprochen arbeitssam und das Haus verließ ich nur, um meine Töchter zur Tagesmutter und zum Kindergarten zu bringen. Den Rest des Tages feilte ich mit Falk an der Freundeskreis Community (bald geht es endlich los!) und unterrichtete wieder fröhlich meine Klavierschüler. Allerdings nicht ganz ohne Sehnsucht, eine Runde durch diese mystisch anmutende Nebelwelt zu drehen. Aber der nächste Nebel kommt bestimmt. 

Woche zwei endet im Prinzip wie Woche 1. Den fotografisch roten Faden habe ich noch nicht gefunden. Allerdings fühlt es sich auch nicht mehr so "komisch" an, ihn noch nicht zu haben. Mut gemacht hat mir da auch ein motivierendes Feedback bei Instagram. Vielen Dank Andreas!
Das Projekt offenbart sich tatsächlich momentan als eine Art fotografisch untermaltes Tagebuch. Und das fühlt sich gar nicht schlecht an. Mal sehen, ob es dabei bleibt, oder sich mit der Zeit noch weiterentwickelt. Eines muss sich aber doch noch entwickeln.
Notiz an mich selbst:
Die Zeit zum Fotografieren sollte ich - auch wenn sie sich mal zufällig ergibt - noch etwas bewusster auskosten und mit weniger Hektik "davon muss ich jetzt schnell mein 
Tagesfoto machen" verbringen.