Woche 16

Ostern ist da und kaum sind die Eier gesucht, geht es 2500km Richtung Süd-Osten!
Diese Woche wird es heißen: Merhaba! Bir bira lütfen!

16. April

Stups der kleine Osterhase... war mal wieder fleißig. Aber vierjährige Kinder sind schon schlau. Zu schlau! Da muss man sich hinterher anhören:
"Ich glaube, der Osterhase, das waren Du und Opa! Ihr hattet so eine... Tüte!"
Das ist doch unter jeder (groß-)väterlichen Ehre! Aber sie wollte es einfach nicht einsehen. Zum Glück hat sie nicht noch hinterfragt, warum der langohrige Kerl dieses Jahr schon am Tag vor Ostersonntag seine Runde in Leverkusen gehüpft ist. Der Grund war natürlich, dass er uns am nächsten Tag eventuell am Flughafen hätte mit Eiern versorgen müssen. Und ob er damit durch die Sicherheitskontrolle gekommen wäre? Vermutlich nicht. 
Doch wie jedes Mal, wenn wir einen Tag lang bei meinen Eltern in Leverkusen sind: Es war wundervoll!


17. April

Fliegen mit Kindern ist ja doch so eine eigene Sache. Während man seine Koffer, Handgepäck, Flugtickets und Reisepässe zu verwalten versucht, muss man noch die ganze Zeit zwei kleinen Monstern erklären, dass sie jetzt mal bitte in der Nähe zu bleiben haben. Und dann kommt die Sicherheitskontrolle und man muss nicht nur auf Papa und Mama hören, sondern auch noch auf die netten Jungs und Mädels von der Security.
Einmal im Gate angekommen war die Faszination für das bunte Treiben auf dem Rollfeld und der Start- und Landebahn aber deutlich zu spüren. "Ist das unser Flugzeug? Was machen die da?"
Kurz darauf brach beim Boarding noch Chaos aus, weil einige Fluggäste doppelt eingetragen worden waren und demnach zu wenig Menschen im Airbus A320 saßen. Bald war aber auch dieser Sachverhalt geklärt und die hochtourenden Turbinen drückten uns sanft in den Abendhimmel.

18. April

Günaydın

Da waren wir also nach zweieinhalb Jahren wieder in der Nähe von Manavgat gelandet und kamen gegen halb 2 nachts am Hotel an. Ein kleines Kommunikationsproblem in der Lobby beförderte uns nicht direkt auf unsere Zimmer, sondern verschaffte uns ein wenig Wartezeit an der extra noch geöffneten Bar am Pool. Dort wurden wir exklusiv bis etwa halb 4 Uhr morgens mit Getränken versorgt, bis Zimmer für uns bereit standen.
Nach einer recht kurzen Nacht erwartete uns die türkische Sonne mit ihren warmen Strahlen. Zu meiner großen Freude entdeckte ich am Kinderpool ein Beet mit vielen größeren Steinen. Auf diesen sonnten sich mehrere dieser hübschen Eidechsen. Diese waren neugierige Hotelgäste offenbar gewöhnt und ließen sich so hervorragend beobachten. Um den Mut der kleinen Reptilien auf die Probe zu stellen, legte ich meine Hand an einem der anderen Tage direkt vor ein solches Tier. Ich wurde sofort ausgiebig gemustert, wobei Echsen ja ungeheuer clever und menschlich aussehen können. Was sie allerdings als nächstes tat, hat mich gleichermaßen verwundert wie gerührt: Die Eidechse kletterte mit ihrem Vorderkörper auf meine Hand und begann das Poolwasser, das noch an meinen Händen tropfenweise zu finden war, aufzuschlecken. Was für eine vertrauensvolle Begegnung mit einem wilden Reptil. Bei dem Gecko, den ich als Haustier pflegen durfte, hatte ich für solch nahe Kontakte mehrere Jahre der Annäherung gebraucht und viele Bisse einstecken müssen. Hier gab es diesen Moment des Vertrauens gleich zu Beginn.

19. April

Tag zwei in der Türkei und ich war nicht mehr zu halten: Das Meer rief und da unser Hotel einen fußläufig schnell zu erreichenden Strandabschnitt besitzt, spazierten wir gemütlich zum Mittelmeer und schauten den an diesem Tag recht ungestümen Wellen beim Fluten des Strandes zu. Den meisten Hotelgästen war es offenbar zu windig, so dass wir das Strandstück nur mit wenigen anderen Besuchern teilen mussten. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon vollkommen im Erholungsmodus angekommen und hatte den Stress der letzten Woche völlig vergessen.

20. April

Auf dem Weg zum Frühstück schaute ich wie jedes Mal, wenn ich das Zimmer verließ, auf diesen hübschen Hotelflur. Jeden Morgen trafen wir dabei das schon emsige Hotel-Team, das die Zimmer frisch machte. Und selbst, wenn die Damen meist nur Englisch sprachen und sich unser Türkisch auf Begrüßungen, Bitte, Danke und die Zahlen von 1-10 beschränkt, wurde immer freundlich gegrüßt. Gerade meine kleinen Mädels genossen dabei die Aufmerksamkeit aller Beschäftigten des Hotels. Die Kinderfreundlichkeit in der türkischen Kultur war überall zu spüren.

21. April

Melanie führt Louisa das erste Mal in Louisas Leben über den Mittelmeerstrand. Das Bild bedeutet viel für mich. "Ich zeig Dir die Welt", "Ich reiche Dir die Hand", "In jemandes Fußsstapfen treten". 
Von all dem ist hier ein bisschen drin und wird vom sanften Rauschen des an diesem Tag viel zahmeren Meeres untermalt.

22. April

Die Außentemperaturen stiegen Tag für Tag an. Während es am Montag nur etwa 20 Grad waren, ging es Richtung Wochenende steil auf die 30 zu, so dass die Wassertemperatur im Pool ihren Schrecken nach und nach verlor.
Das Bild trügt übrigens ein wenig: Ich habe es kurz nach dem Frühstück gemacht und die meisten Hotelgäste waren wohl noch im Speisesaal oder zogen sich gerade für das bunte Pooltreiben um. Wenig später sollten diese Liegen nicht mehr so leer aussehen.