Woche 1 - ein Neubeginn

Ich hatte noch nicht einmal den Entschluss zuende gefasst, dieses 365-Tage-Projekt am 01.01. zu starten, da ging es auch schon los. Woche 1 ist also ein Kaltstart, ein Sprung ins kalte Wasser. 

Zuerst war der Ort zu wählen, an dem das Projekt zu sehen sein würde. Um mich nicht an soziale Netzwerke zu binden, habe ich mich für eine eigene Galerie oder Webseite entschieden. Da diese Seite hier sowieso schon im Bau (und dabei etwas vernachlässigt) war, wollte ich den Platz hier dafür nutzen. Noch während ich mich also mit Aufbau und Layout herumschlug, landeten die ersten Bilder auf der Speicherkarte. Wer also vor allem in den ersten Tagen des Projektes hier vorbeischaut, wird vermutlich noch viel Veränderung über die ersten Wochen feststellen. Sowohl hinsichtlich des Designs, als auch des fotografischen und textlichen Inhalts. Aber jetzt geht's erstmal mit dem ersten Tag los: 


Mit dem 01.01. beginnt nicht nur dieses Projekt, nicht nur die erste Woche, sondern auch das Jahr 2022. Eine wilde Party mit den Kids, eine weniger kurze (und weniger laute und stinkende) Nacht als befürchtet, ein Tag ganz im Zeichen der Familie und des Neujahrs.


Der 02.01. ist nicht weniger Teil des wochenendlichen Familientreibens. Eine ausgedehnte Radtour um den Elbsee lässt alle Familienmitglieder runterkommen und durchatmen. Die vielen Feiern der letzten 10 Tage lassen uns die Ruhe noch mehr genießen. Der Blick vom Aussichtsturm, ein Picknick am Ufer, ein ausgiebiger Spielplatzbesuch. Erholsam!


Heute ist Montag. Der 03. Januar, mit dem das Jahr nun auch - nach den vielen Feiertagen - wieder im Arbeitsmodus ankommt. Was übrigens ein gutes Gefühl ist! Das heutige Bild ist eigentlich gar keine typische Situation für den heutigen Tag, aber da ich heute "nur" laufen war und danach fast den ganzen Tag am Rechner gesessen habe, ergaben sich wenig Situationen, in denen ich mit der Kamera herumturnte. Nachdem ich aber die Kinder ins Bett gebracht hatte und meine Frau auch unterwegs war, habe ich mein geliebtes E-Piano mal wieder in Ruhe unter die Finger genommen. Balsam für die Seele! Und dabei fiel mir auf, dass das Licht, das aus der Küche auf mich fiel, mich mit der alten Filmscheinwerfer-Look-Lampe im Wohnzimmer schön in die Zange nahmen. Also durfte mich die Kamera aus der Küche heraus am Klavier fotografieren. Als Sinnbild für einen entspannten und musikalischen Abend. 


Mein Bild vom 04.01. zeigt die aktuelle Großwetterlage. Nass, verhältnismäßig milde Temperaturen und trotzdem "usselig", wie das Rheinländerherz zu klagen weiß. Wir haben heute zusammen die Familie des Sängers meiner Band (Kuhl un de Gäng) in Niederaußem besucht. Der Stadtteil von Bergheim liegt unmittelbar im Schatten des zweitleistungsstärksten und zweithöchsten Kohlekraftwerks in Deutschland. Die letzten Kilometer fährt man unter den unermesslichen Wolken her, die die Kühltürme in den Himmel des Erftkreises blasen. Auf der Heimfahrt war ich fasziniert vom Blick auf diesen düsteren RWE-Riesen, der auf die bunten Lichter der verregneten Straßen hinunterblickte. Da mir noch mein Foto des Tages fehlte, fuhr ich kurz rechts ran und fotografierte - durch die Windschutzscheibe - die abendliche Szenerie. Bestimmt kein Bild zum Gewinnen von Fotowettbewerben, aber eines, dessen Mix aus finsterer und dennoch bunt erleuchteter Stimmung mir gefällt.


Als Thema der ersten Woche scheint sich langsam das Thema Licht im Dunkeln zu etablieren. Vermutlich liegt es an der dunklen Jahreszeit und der Tatsache, dass ich das Haus oft erst nach Sonnenuntergang in Ruhe verlassen kann.


So auch heute, am 05. Januar, denn ich hatte zuerst einiges am Computer zu erledigen und dann standen die ersten Klavierschüler des Jahres vor der Tür. Danach zog es mich eine Runde um den Block, auch wenn das Wetter alles andere als einladend war. Nach einigen Metern regnete es bereits so stark, dass ich die Kamera lieber wieder unter der Regenjacke verschwinden ließ. Kurz vorher fiel mir aber diese Szenerie auf, die mich direkt an die Eröffnungsszene des ersten Harry Potter Films erinnerte, in der Albus Dumbledore mit dem Deluminator eine Straßenlaterne nach der anderen auslöscht. Schmunzelnd trat ich danach den Rückweg durch den Regen an. Den Film schau ich mir übrigens jetzt an, während ich diese Zeilen hier schreibe. Inspiration!

Und dann kam schon das, was ich bereits zu Beginn dieses Projektes am meisten gefürchtet hatte:
Am 06.01. kam der erste Tag des "ähm, mein Bild des Tage ist... also... ich hatte eigentlich, aber...".

Und das ist skurriler, als es erstmal klingen mag. Den ganzen Tag war ich mit mindestens einer Kamera unterwegs. Zuerst war ich mit Falk von Fotografie tut gut unterwegs, um eine gemeinsame Podcastfolge aufzunehmen und schleppte - ohne sie auch nur ansatzweise aus derTasche zu holen - meine kleine α7c durchs schöne Angertal. Von da aus fuhr ich zu einer Familie, von der ich extra für Bilder angefragt worden war. Dort habe ich natürlich auch das ein oder andere Mal den Auslöser gedrückt, aber ein "Bild des Tages" war für mich nicht dabei. 

Als ich dann nach Hause kam, lösten meine ältere Tochter Leonie und ein kaltes Bier das für mich. 
Bevor ich sie nämlich ins Bett bringen durfte, warteten drei kleine Schweine auf die Rettung vor einem hungrigen Wolf. Die sind ja auch irgendwie eine Familie und wohnen laut Spielbrett ja auch ein bisschen in der Natur. Ein würdiges Ende also für diesen wuseligen, aber dennoch sehr schönen Tag. 

Tja, und was soll ich sagen; Tag 7 bildet fotografisch betrachtet sogar noch den Tiefpunkt der Woche. Und das, obwohl es heute großflächig um Fotografie ging. Einerseits viel Arbeit für den Fotografie tut gut Freundeskreis, andererseits hatte ich noch eine kleine Sport-und-Foto-Verabredung mit Nati-fit-Köln

Und so entstand als Foto des Tages mal wieder quasi nichts. Einzig dieses Bild von meinem aufgeklappten Rechner und dem auf mich wartenden Mittagessen dahinter verirrte sich zwischendurch auf die Speicherkarte. Und was lernen wir daraus?

Und was lernen wir aus Woche 1?

Der oben erwähnte Sprung ins kalte Wasser und die damit einhergehende Konzeptlosigkeit des Projektstarts haben sich zum Ende der Woche doch noch gerächt. Nachdem ich zur Mitte der Woche noch dachte, dass die dunkle Jahreszeit sich eventuell als (dunkel-)roter Faden durch die Startphase des Projektes ziehen könnte, Doch da selbst dieser Umstand schon eher einer verzweifelten Rettungstaktik entsprang, hat sich diese Idee zum Ende der Woche durch zwei besonders volle Tage zerschlagen. 
Dafür fällt mir im Zuge dieses Projekts auf, dass ich mich dadurch noch mehr zu Schwarz-Weiß hingezogen fühle. Das könnte sich hier also öfter finden. Allerdings weiß ich jetzt schon, dass ich morgen mit großer Wahrscheinlichkeit in der Natur sein werde und ich dann vermutlich kein Graustufen-Kehlchen oder Graumeisen fotografieren will.s

Also Fazit: Das Projekt macht Spaß und verlangt von mir dennoch etwas mehr Beachtung und eine etwas konkretere Idee als nur "Foto des Tages". Umso mehr bin ich jetzt gespannt auch Woche 2!